Am 20. November füllte der Fachtag „Kinderperspektiven im Mittelpunkt. Einführung in den Bildungsplan und das Qualitätshandbuch“ den Hörsaal am Senftenberger Campus der BTU Cottbus-Senftenberg. Zum Kita-Fachtag machten mehr als 200 pädagogische Fachkräfte und Akteure aus Verwaltung, Kommunen, Kitas, Kinderschutz und Frühförderung, Leitungsteams, Auszubildende, Fachberatungen und weitere Akteure und Akteurinnen der Bildungslandschaft aus dem Landkreis Oberspreewald-Lausitz und darüber hinaus deutlich: Die Qualität der frühen Bildung ist ein Thema, das in Bewegung ist, herausfordert, neue Impulse setzt und viel Erfahrungsaustausch bedarf.
Zum Fachtag eingeladen hatten das Institut für den Situationsansatz (ISTA) an der Internationalen Akademie Berlin gGmbH und das Team der Kita-Praxisberatung des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Das Datum des Fachtages war nicht zufällig gewählt. Jährlich am 20. November wird der Internationale Tag der Kinderrechte gewürdigt. Anlass dafür ist die Verabschiedung der UN-Kinderrechtskonvention am 20. November 1989.
Der Fokus des Fachtages lag auf dem neu überarbeiteten und 2024 erschienenen Brandenburger Bildungsplan und dem frisch überarbeiteten Qualitätshandbuch des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Beide Leitfäden wurden mit Praktikern und Praktikerinnen entwickelt, sind wissenschaftlich fundiert und knüpfen an den Erlebnissen, Bedürfnissen und Wahrnehmungen von Kindern an.
Das Qualitätshandbuch zeigt nicht nur auf, wie Bildungsziele im Alltag umgesetzt werden können, sondern auch, wie Teams anhand klarer Kriterien gemeinsam reflektieren können, wo sie stehen und wie sie sich weiterentwickeln wollen. Zudem stärkt es die Themen Beteiligung, Kinderrechte und – neu – auch den Hortbereich, sodass nun auch für diesen Bereich praxistaugliche Qualitätsansprüche vorliegen.
Dr. Katrin Macha, Leiterin des Instituts für den Situationsansatz (ISTA) an der Internationalen Akademie Berlin gGmbH und OSL-Jugendamtsleiter Stephan Hermann begrüßten die Teilnehmenden. Herr Hermann beschrieb, um was es mit dem Qualitätshandbuch und dem Kita-Fachtag geht: „Gute Qualität kann man nicht einfach von oben verordnen. Sie entsteht dort, wo der Alltag der Kinder stattfindet, dort, wo sie gesehen, gehört und ernst genommen werden. Bildungsplan und Qualitätshandbuch helfen uns, genau dahin zu schauen und gemeinsam zu überlegen, was diese Ansprüche ganz konkret für die Arbeit, das Miteinander und den Bildungsauftrag in den Kita-Einrichtungen bedeuten.“
Anschließend übergab er Frau Dr. Katrin Macha feierlich ein Exemplar des gemeinsam entwickelten Qualitätshandbuches OSL, von dem auch an alle Fachkräfte ein Exemplar ausgeteilt wurde.
In den daran anschließenden Vorträgen des Fachtages wurde betont, dass Kinder in Kita und Hort einen Großteil ihres Tages verbringen und die Vielzahl alltäglicher Interaktionen prägend für ihr Erleben sind. Gute Qualität entsteht daher nicht durch abstrakte Vorgaben, sondern durch Beziehungen, Dialog und Beteiligung. Kinder erleben Selbstwirksamkeit, wenn sie merken, dass ihre Interessen zählen, sie etwas bewirken können und aktiv an Entscheidungen beteiligt sind. Die Referentinnen und Referenten machten deutlich, dass genau dort angesetzt werden muss, wenn man nachhaltige Bildungsprozesse stärken will.
Besonders intensiv wurde dieser Ansatz im großen Workshop-Block spürbar. Die Teilnehmenden wählten aus sieben praxisnahen Alltagssituationen – vom Moderieren von Kinderkreisen über Raumwechsel, Konfliktlösung und Regeln aushandeln bis hin zur Kooperation mit Familien oder Fragen der Teamkultur unter den Fachkräften – und erprobten, wie das Qualitätshandbuch ihnen hilft, diese Situationen aus Kinderperspektive neu zu denken. Die Workshops boten Raum, Routinen zu hinterfragen, Neues auszuprobieren und voneinander zu lernen. Viele Rückmeldungen zeigten, wie wertvoll dieser praxisorientierte Austausch war.
Im abschließenden Denkdialog wurden die Eindrücke des Tages zusammengetragen. Dabei wurde deutlich, wie groß die Bereitschaft ist, im Landkreis OSL gemeinsam neue Wege zu gehen. Die Teilnehmenden nahmen mit, dass Qualitätsentwicklung kein zusätzlicher Arbeitsauftrag, sondern Teil ihres professionellen Handelns ist – und dass das Qualitätshandbuch ein wertvolles Werkzeug ist, das sie stärkt und nicht belastet.
Zum Abschluss des Fachtags bot die Podiumsdiskussion einen direkten Blick in die Praxis. Auf dem Podium sprachen Dr. Katrin Macha (ISTA), Janett Neumann und Patrick Marx aus der Praxisberatung des Landkreises OSL sowie die Kita-Leiterinnen Cornelia Georgi aus Ortrand und Heidrun Schramm aus Vetschau. Das eröffnete einen ehrlichen Austausch darüber, wie Bildungsplan und Qualitätshandbuch in den Einrichtungen tatsächlich genutzt werden. Die Gesprächsrunde zeigte, dass beide Instrumente als echte Arbeitsmittel dienen, gleichzeitig aber von den Teams Zeit, gemeinsame Prozessbegleitung und klare Prioritäten brauchen. Deutlich wurde, wo Fachkräfte im Alltag an Grenzen stoßen – etwa durch Personalmangel, Zeitdruck oder fehlende Schließtage für Teamentwicklung. Ebenso klar war der Appell, Träger und Eltern aktiv einzubeziehen, da Qualitätsentwicklung nur gelingt, wenn alle Beteiligten im Boot sind. Die Podiumsgäste berichteten, wie wichtig offene Reflexionsrunden, interne Evaluation und eine klare Haltung im Team sind, um Fortschritte sichtbar zu machen. Sie betonten, dass jede Einrichtung ihren eigenen Weg geht, mit eigenen Schwerpunkten und in ihrem individuellen Tempo, solange das Wohlergehen der Kinder im Mittelpunkt steht. Immer wieder wurde herausgestellt, dass Kinder in vielen Situationen mitentscheiden und Einrichtungen als „Häuser der Kinder“ verstanden werden sollten, in denen Fachkräfte ihre Entwicklung begleiten.
Der Kita-Fachtag gab den Teilnehmenden einen realistischen Einblick, wie Qualitätsentwicklung in der Praxis aussieht – mit Herausforderungen, aber auch mit vielen ermutigenden Beispielen gelingender Umsetzung. Die Anzahl der Teilnehmenden, der angeregte Austausch und die positive Resonanz sprechen dafür, dass das Qualitätshandbuch des Landkreises OSL kein Konzept ist, dass in einer Schublade verstaubt, sondern ein wirklich sinnvolles Arbeitsinstrument. Das neue Qualitätshandbuch, Arbeitsmaterialien, die Kontaktmöglichkeiten der Kita-Praxisberatung OSL und viele weitere Infos zum Thema sind auf der Internetseite des Landkreises zu finden: www.osl-online.de/kindertagesbetreuung
Bei Interesse von Ausbildungsstätten, Ausbildungsklassen, Fachkräften oder Kita-Einrichtungen steht das Team der Kita-Praxisberatung auch abseits des Fachtages für Austausch, Beratung und zur Vorstellung des Qualitätshandbuches bereit. So stellt das Team bereits seit vielen Jahren das Handbuch und die Arbeit damit in Ausbildungsklassen vor, damit pädagogische Nachwuchskräfte früh von den Grundlagen der Qualitätsentwicklung profitieren. Auch Team-Beratungen in den Kitas, Projekte und Alltagssituationen werden in einer beratenden Funktion durch das Team begleitet.
Der Fachtag wurde in enger Kooperation mit dem Institut für Fortbildung, Forschung und Entwicklung (IFFE) sowie dem Institut für den Situationsansatz (ISTA) INA gGmbH aus Berlin umgesetzt, das bereits die Erstellung und die Überarbeitung des Qualitätshandbuchs begleitet hat.
Frau Dr. Katrin Macha vom ISTA-Institut begleitet diesen Prozess seit über 10 Jahren. Ihr Resümee zum Fachtag: „Es ist schon bemerkenswert hier zu spüren, wie intensiv die Menschen darüber nachdenken, was Kinder eigentlich in der Kita oder im Hort brauchen und ob und wie wir sie gut auf ihrem Weg begleiten können. Für mich sind der Fachtag und das Qualitätshandbuch tolle Beispiele, wie ein Landkreis auch aktiv werden kann und die Pädagogen und Pädagoginnen und Fachkräfte vor Ort dabei unterstützen kann, wie sie wirklich gute Arbeit leisten, sich ihre Arbeit bewusst machen und natürlich diese auch weiterentwickeln.“
Der Fachtag hat spürbar gezeigt, dass der Landkreis OSL auf einem gemeinsamen Weg ist: hin zu einer frühen Bildung, die konsequent vom Kind aus denkt, Beteiligung ernst nimmt und Fachkräfte darin bestärkt, Qualität im Alltag lebendig zu gestalten. Wer am Ende durch den Hörsaal blickte, sah viele motivierte Gesichter – und das klare Gefühl, dass die Impulse dieses Tages weit über den Fachtag hinaus wirken werden. Das Interesse aller Beteiligten an einem weiteren Fachtag ist groß.
Der Fachtag wurde im Rahmen der Implementierung des Brandenburger Bildungsplans durch das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport finanziert.