Mehr Unterstützung für Kinder, Lehrkräfte und Eltern: Pilotprojekt startete zum neuen Schuljahr an der Regenbogen-Grundschule
Meldung aus Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Bild zur Meldung: Foto: Mit Beginn des neuen Schuljahres ist das Pilotprojekt „Multiprofessionelles Team“ an der Regenbogen-Grundschule in Senftenberg gestartet. Die Projektbeteiligten haben sich im Vorfeld eng zur gemeinsamen Zusammenarbeit abgestimmt. Ein Treffen fand unter anderem noch vor dem Sommerferien mit Vertreterinnen und Vertreter der Schule, des Jugendamtes, des Hortes, der Elternschaft sowie der Schulleitung und Vertretern des freien Trägers Familienhilfe e. V. aus Finsterwalde, darunter den beiden Integrationspädagogen, statt. (Foto: LK OSL/Sarah Werner)
Pünktlich zum neuen Schuljahr startete an der Regenbogen-Grundschule in Senftenberg ein Pilotprojekt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz. Im Mittelpunkt steht ein neuer pädagogischer Ansatz: Erstmals arbeiten eine Lehrkraft und ein der Klasse fest zugeordneter Integrationspädagoge im Unterricht Seite an Seite. Ziel ist es, allen Kindern eine bestmögliche Teilhabe am Unterricht zu ermöglichen. Die Integrationspädagogen arbeiten multiprofessionell - sie stehen im regelmäßigen Austausch mit den Fachkräften der Schule sowie des Hortes.
Die multiprofessionelle Arbeit der Integrationspädagogen
Die Integrationspädagogen des beauftragten freien Trägers Familienhilfe e.V. aus Finsterwalde entwickeln gemeinsam mit den Klassenleitungen, der Sonderpädagogin, Fachlehrkräften und der Sozialarbeiterin der Schule passende Unterstützungsstrategien für die Kinder im Schulalltag. Gemeinsam bilden sie die sogenannte Arbeitsgruppe des „Multiprofessionellen Teams“ (MPT), die dem Pilotprojekt seinen Namen gibt. Die enge Zusammenarbeit sorgt für kurze Kommunikationswege und abgestimmtes pädagogisches Handeln, von dem Kinder, Lehrkräfte als auch Eltern profitieren können.
Für die Kinder bedeutet der innovative pädagogische Ansatz vor allem eines: Sie erhalten Unterstützung genau dann, wenn sie gebraucht wird. Neben der Lehrkraft ist mit dem Integrationspädagogen eine weitere vertraute Ansprechperson dauerhaft im Klassenraum präsent. Sie hilft beim Ankommen am Morgen, unterstützt bei der Konzentration, begleitet Konfliktsituationen und stärkt soziale Kompetenzen. Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf können so individuell begleitet werden, ohne aus der Klassengemeinschaft herausgenommen zu werden. Gleichzeitig profitieren alle Schülerinnen und Schüler von einem ruhigeren Unterricht und einem wertschätzenden Miteinander.
Die Integrationspädagogen arbeiten zudem eng mit dem Schulhort zusammen. Auch mit den weiteren umliegenden Horten wird ein regelmäßiger Austausch angestrebt. Im Fokus steht zudem die Arbeit mit den Eltern - sie werden als wichtige Partner in die pädagogische Arbeit einbezogen. Die Integrationspädagogen stehen auf Wunsch im regelmäßigen Austausch mit ihnen, nehmen an Elternabenden teil und beraten bei Fragen oder Herausforderungen. Gleichzeitig stärken sie durch ihre Vermittlerrolle die Zusammenarbeit zwischen Familie und Schule.
Einfacher Zugang zu Unterstützung
Mit dem Pilotprojekt reagiert der Landkreis in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Cottbus auf den allgemein steigenden Unterstützungsbedarf von Kindern im Schulalltag, der auch im Landkreis OSL zu verzeichnen ist.
Das MPT setzt ab dem Schulstart frühzeitig und niedrigschwellig an, um Unterstützungsbedarfe zu erkennen und Kinder direkt im Schulalltag zu unterstützen. Das Team übernimmt dabei Aufgaben, die bislang im Rahmen einer individuellen Einzelfallhilfe als Schulbegleitung geleistet wurden. Die Unterstützung erfolgt direkt im Klassenverband, so kann innerhalb des Unterrichts flexibel auf Unterstützungsbedarfe verschiedener Kinder reagiert werden. Eltern müssen in vielen Fällen keine Anträge auf eine individuelle Integrationshilfe mehr stellen, der Antragsaufwand für Unterstützungsleistungen kann verringert werden. Vom inklusiven Ansatz profitieren insbesondere Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf, einer seelischen Behinderung oder herausforderndem Verhalten.
Bei neu auftretenden Unterstützungsbedarfen wird geprüft, ob das Multiprofessionelle Team ausreichend unterstützen kann. Kinder mit festgestelltem Förderbedarf erhalten weiterhin individuelle Förderpläne, welche die Integrationspädagogen in ihrer täglichen Arbeit umsetzen. Sind darüber hinaus individuelle Hilfen erforderlich, können diese auch weiterhin beantragt werden. Auch bei sehr komplexen Unterstützungsbedarfen – etwa bei stark ausgeprägtem Autismus, erheblichen körperlichen Einschränkungen oder medizinischen Bedarfen – können weiterhin individuelle Leistungen notwendig sein. Das Pilotprojekt schafft damit einen zusätzlichen Unterstützungsansatz und soll zugleich erproben, in welchen Fällen Unterstützung, die bislang über Einzelfallhilfen erfolgt, auch multiprofessionell und im Klassenverband geleistet werden kann.
Albert Hammitsch, Jugendhilfeplaner im Jugendamt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz und Initiator des Pilotprojekts, freut sich, dass das Modell nun erstmals auch im Landkreis startet: „Wir wollen Unterstützung dorthin bringen, wo sie gebraucht wird – direkt in den Klassenraum. Die positiven Erfahrungen anderer Schulen zeigen, dass Multiprofessionelle Teams Kinder, Lehrkräfte und Eltern gleichermaßen entlasten. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir dieses Erfolgsmodell nun auch im Landkreis Oberspreewald-Lausitz erproben können".
Regenbogen-Grundschule als Pilotschule ausgewählt
Aus mehreren in Frage kommenden Schulen wurde in Abstimmung mit dem Staatlichen Schulamt Cottbus die Regenbogen-Grundschule in Senftenberg als Pilotschule ausgewählt. Ausschlaggebend waren neben den bestehenden Unterstützungsbedarfen die engagierte Haltung des Kollegiums sowie die Bereitschaft der Schule, innovative Konzepte für mehr Teilhabe und Chancengerechtigkeit gemeinsam mit dem Landkreis umzusetzen.
Mit derzeit rund 370 Schülerinnen und Schülern bietet die Regenbogen-Grundschule ideale Voraussetzungen, um das neue Modell zu erproben und weiterzuentwickeln. Von dem zunächst auf zwei Jahre angelegten Pilotprojekt profitieren zu Beginn zunächst die Regelschulklassen 1a und 1b mit Klassenverbänden von jeweils rund 25 Kindern. Zwei erfahrene Integrationspädagogen begleiten die Mädchen und Jungen über zwei Schuljahre. Im Schuljahr 2027/2028 beginnen außerdem neue zusätzliche Integrationspädagogen die Arbeit in den dann neuen ersten Klassen. Mit der Umsetzung wurde nach erfolgtem Interessenbekundungsverfahren der Familienhilfe e.V. aus Finsterwalde beauftragt, der bereits über umfangreiche Erfahrungen mit Multiprofessionellen Teams verfügt.
Schulleiterin Regina Jänke begrüßt den Start des Pilotprojekts: „Dass unsere Schule als Pilotschule ausgewählt wurde, ist für uns eine große Chance. Die enge Zusammenarbeit von Lehrkraft und Integrationspädagoge und der enge Austausch im Team eröffnet neue Möglichkeiten, Kinder im Schulalltag individuell zu begleiten und zugleich die gesamte Klassengemeinschaft zu stärken. Wir freuen uns darauf, die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt in unsere weitere Schulentwicklung einfließen zu lassen. Auch die Eltern der Pilotklassen stehen dem neuen Ansatz sehr offen gegenüber.“
Das Pilotprojekt wird parallel regelmäßig evaluiert. Bewährt sich das Modell, könnte es langfristig verstetigt und schrittweise auch auf weitere Schulen im Landkreis ausgeweitet werden.
Informationen für Eltern und Interessierte
Fachliche Fragen beantwortet gern Albert Hammitsch, Verfahrenslotse/Jugendhilfeplaner im Jugendamt des Landkreises Oberspreewald-Lausitz: 03573 870-4214;