Von Geschichte über Sagen, Sprache, Kultur, Religion, Musik und Physik ist bei dem sorbisch/wendischen Bildungsprojekt mit dem Titel „Kak jo nykus do Carnego Halštrowa pśišeł – Wie der Wassermann in die Schwarze Elster kam“ alles dabei. Am 8. Juni waren die Sorben-/Wendenbeauftragte des Landkreises OSL Hanka Rjelka und die Märchenerzählerin Monika Auer mit dem Projekt bei der 3. Klasse der Grundschule Wandelhof in Schwarzheide zu Besuch. Die Schülerinnen und Schüler tauchten in rund eineinhalb Stunden in die geheimnisvolle Welt der Lausitzer Sagen und Märchen und der niedersorbischen Sprache ein und beschäftigten sich dabei mit der Region und den Menschen, die in dieser gelebt haben und heutzutage leben.
„Auf unterhaltsame Weise zeigen wir den Kindern, dass spannende Geschichten, kulturelle Vielfalt und lebendige Traditionen direkt vor ihrer eigenen Haustür zu entdecken sind – und dass die Lausitz voller Geschichten steckt, die es wert sind, erzählt und bewahrt zu werden“, beschreibt Hanka Rjelka das Ziel des Projektes.
Den Start in diese besondere Schulstunde macht sie bei jedem Termin mit allgemeinen Informationen zur Geschichte der Region und der Sorben und Wenden. Meist wird dabei schnell klar, dass einige der Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Schulklasse bereits Kontakt mit der Sprache oder der Kultur von slawischen Völkern hatten. Sei es in einem Urlaub, bei einem Event in der Region, wie den Fastnachtsumzügen oder beim Lesen der Ortseingangsschilder. Auch im Schulunterricht haben die Sprache oder die Kultur der Sorben/Wenden oft bereits eine Rolle gespielt. Gemeinsam mit den Kindern werden spielerisch verschiedene Themen erarbeitet und es wird an das vorhandene Wissen angeknüpft. So werden zum Beispiel die sprachlichen Ursprünge und Bedeutungen von Straßennamen, Familiennamen oder bei Liedern, wie der „Vogelhochzeit“, erläutert und deren Zusammenhang mit sorbischer/wendischer Kultur erklärt. In einem kleinen Sprachkurs und beim gemeinsamen Erarbeiten eines Lieds lernen die Schülerinnen und Schüler zudem erste Wörter und Redewendungen kennen. Ein freundliches „Witaj!“ („Hallo!“) behalten viele der Kinder aus der Schulstunde im Gedächtnis.
Das Bildungsprojekt wird von der bekannten Märchenerzählerin Monika Auer aus Senftenberg bereichert. Mit großer Ausdruckskraft und viel Gefühl erzählt sie regionale Sagen und Märchen und nimmt ihre jungen Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine Reise durch die Lausitz. Gebannt lauschen die Kinder den Geschichten vom Wassermann und anderen sagenhaften Gestalten, staunen über geheimnisvolle Begebenheiten und entdecken dabei ihre Heimat aus einer neuen Perspektive.
Der Landkreis Oberspreewald-Lausitz/Wokrejs Górne Błota Łužyca engagiert sich aktiv für den Erhalt und die Förderung der sorbischen/wendischen Kultur. Mit einer eigenen Beauftragten für Angelegenheiten der Sorben/Wenden unterstützt der Landkreis vielfältige Bildungs- und Kulturangebote und trägt dazu bei, Sprache, Traditionen und kulturelles Erbe für kommende Generationen lebendig zu halten. Das Projekt zeigt zugleich die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit des Landkreises mit den Schulen in der Region, die kulturelle Bildung und regionale Identität bereits frühzeitig im Schulalltag erlebbar machen.
Das Bildungsangebot verbindet Erzählkunst, Regionalgeschichte und Sprachvermittlung auf besondere Weise. Neben dem Zuhören und Staunen stehen das aktive Mitmachen, Sprachspiele und der Austausch über die eigene Heimat und die Vielfalt der Menschen und der Kultur im Mittelpunkt. So werden Kreativität, Sprachgefühl, Zuhörkompetenz und interkulturelles Verständnis gleichermaßen gefördert.
Das Projekt stößt im Landkreis auf großes Interesse. Bereits sieben Veranstaltungen konnten in diesem Jahr erfolgreich durchgeführt werden. Dabei waren die Grundschule „Paul Noack“ in Schipkau, die Gartenschule Lauchhammer, die Pestalozzi Grundschule Großräschen, die Grundschule am See in Senftenberg und die Wandelhof Grundschule Schwarzheide. Innerhalb des Fördermittelzeitraums sind weitere zwei Termine sind bis zum Schuljahresende und zwei Termine im kommenden Schuljahr geplant.
Ermöglicht wird das Bildungsprojekt durch den Projektfond Kulturplan Lausitz, das gefördert wird mit Mitteln des Brandenburger Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Bildung und Mitteln des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.