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Ökologisches Großprojekt BASF Schwarzheide

Im Folgenden wird das Ökologische Großprojekt BASF Schwarzheide (im Folgenden: ÖGP BASF) vorgestellt.

Allgemeines

Das ÖGP BASF liegt im südöstlichen Teil des Landes Brandenburg. Es umfasst eine Gesamtfläche von ca. 230 ha. Bestimmt wird das Großprojekt durch die mit Vertrag zwischen der Treuhandanstalt und der BASF AG Ludwigshafen vom 12.10.1990 erfassten Grundstücke und Anlagen.

 

Im Jahr 1990 hat die BASF mit Sitz in Ludwigshafen den Standort und die Anlagen des Synthesewerkes Schwarzheide übernommen. Das war ein grundlegender Schritt zur Erhaltung und Entwicklung von Industrie und Gewerbe in Schwarzheide und im damaligen Landkreis Senftenberg.

 

Im Oktober 1990 erfolgte auf Antrag die Freistellung der öffentlich-rechtlichen Haftung für Umweltschäden, die vor dem 01.07.1990 entstanden sind. Die rechtliche Grundlage dafür war Artikel 1 Paragraph 4 Absatz 3 Umweltrahmengesetz der DDR vom 29. Juni 1990 in der Fassung des Hemmnisbeseitigungsgesetzes vom 22. März 1991.

 

1995 wurde der Standort der BASF in Schwarzheide als ein Ökologisches Großprojekt eingestuft. Für die Koordinierung und Umsetzung von Maßnahmen zur Altlastensanierung wurde 1996 ein Arbeitskreis gebildet, in welchem Vertreter der Bundesrepublik Deutschland, Land Brandenburg, Landkreis Oberspreewald-Lausitz, Landesamt für Umwelt und der BASF als ständige Mitglieder vertreten sind.

 

Entwicklung des Chemiestandortes

 

Hydrierwerk BRABAG Ruhland-Schwarzheide (1935 - 1954)

  • Gewinnung von flüssigen Kraftstoffen aus der örtlichen Braunkohle (Kohleverflüssigung, Fischer-Tropsch-Verfahren)
  • ab 1936 Produktion Autobenzin und Dieselöl (Nebenprodukte Schwefel, Phenole und Paraffine)
  • ab 1939 Produktion von Flugbenzin

 

VEB Synthesewerk Schwarzheide (1954 - 1990)

  • 1967 Produktion von Pflanzenschutzmittel (Herbizide)
  • 1971 Einstellung der Benzinproduktion
  • 1973 Produktion Polyurethan

 

Schadstoffeinträge vor 1990 in den Boden und das Grundwasser erfolgten aufgrund von:

  • Zerstörung des Werkes (1944/45) zu ca. 75% bei 13 Bombenangriffen
  • Havarien bei Produktionsprozessen (Defekte an Abwasserleitungen und Abwasserbecken, Leckagen in der Herbizidfabrik)
  • Entsorgung von Produktionsabfällen auf Industrieflächen und der betriebseigenen Deponien
  • Handlingsverluste durch Transportprozesse

 

im Wesentlichen durch:

  • Phenole
  • monoaromatische und polyzyklisch aromatische Kohlenwasserstoffe (BTEX, PAK)
  • Chlorkohlenwasserstoffe (Herbizide, CKW)
  • Chlorparaffine
  • Kobalt
  • Thorium
  • Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW)

 

Maßnahmen der Gefahrenabwehr im Zeitraum 1990 bis 2020

 

Im Zeitraum 1990 bis 1995 wurden vielfältige Maßnahmen zum Rückbau veralteter Produktionsanlagen in Verantwortung der BASF und in Abstimmung mit den zuständigen Behörden des Landes Brandenburg realisiert. Durch diese Maßnahmen wurden bereits wesentliche Gefahrenquellen, die von maroden Gebäuden und Anlagen ausgingen und im Boden anzutreffen waren, beseitigt.

 

1998 wurde ein Sanierungsrahmenkonzept (SRK) für das ÖGP BASF erarbeitet und durch den Arbeitskreis bestätigt. Durch das SRK wurde die Belastungs- und Gefahrensituation objekt- und standortbezogen dargestellt. Gleichzeitig wurde der erforderliche Handlungsbedarf für Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen im Sinne der Gefahrenabwehr (§ 4 BbodSchG) aufgezeigt. Das SRK wurde Handlungsrichtschnur für die Planung und Umsetzung von Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen.

 

Im Rahmen des ÖGP BASF wurden seit 01.01.1995 umfangreiche Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen auf der Grundlage von Beschlüssen des Arbeitskreises umgesetzt. Durch die realisierten Sanierungsmaßnahmen wurden wesentliche Kontaminations- und Gefahrenherde, die insbesondere von Anlagen und Boden in Richtung der vordergründigen Schutzgüter Mensch sowie Grund- und Oberflächenwasser ausgingen, beseitigt.

 

Hervorzuheben sind dabei folgende Maßnahmen:

  • Sanierung von Teer- und Abwasserbecken
  • Sanierung und Abriss der Herbizidfabrik
  • Sicherung und Entsorgung von thoriumhaltiger Materialien
  • Sanierung eines Chlorparaffinschadens
  • Sanierung punktueller MNB-Grundwasserbelastungen
  • Sanierung Kohlelagerplatz
  • Installation sowie Betrieb des Grundwassermonitoringsystems
  • Installation sowie Betrieb des Brunnenriegels
  • Sanierung Deponie Kabelbaggerteich

 

Fortlaufende Maßnahmen

                       

unter Berücksichtigung der bisherigen Erkenntnisse und gutachterlichen Bewertungen, sind:

  • Grundwassersanierung bzw. Sicherung des Hauptschadensbereiches auf dem Werksgelände
  • Grundwassermonitoring für den Werksbereich
  • Jährliche Aktualisierung der Gefahrenbewertung
  • Sicherungs- und Überwachungsmaßnahmen des Grundwasserabstrombereiches in Richtung der Stadt Schwarzheide
  • Verhindern des Abströmens von kontaminiertem Grundwasser aus dem Werksbereich in Richtung genutzter Grundwasserbereiche und oberirdischer Gewässer
  • Sicherung und Nachsorgemaßnahmen Deponie Kabelbaggerteich
  • Untersuchung und Sanierung gefahrenrelevanter Bodenkontaminationen bei Baumaßnahmen

 

Allgemeinverfügung

 

2020 wurde durch den Landkreis Oberspreewald-Lausitz als vorbeugende Maßnahme eine Allgemeinverfügung zur Untersagung der Benutzung von Grundwasser und oberirdischen Gewässern sowie von Erdaufschlüssen innerhalb eines bestimmten Gebietes der Stadt Schwarzheide erlassen.

 

Ausschlaggebener Grund für die Allgemeinverfügungwar die konkrete Gefährdung der Gesundheit von Menschen durch die Benutzung von Grundwasser und oberirdischen Gewässern. Gegenwärtig ist kein anderes Mittel verfügbar, das in gleicher oder sogar besserer Weise geeignet ist, um die Gefahr der menschlichen Gesundheit auszuschließen.

 

Perspektiven an die weitere Altlastensanierung

 

Die Fläche des ÖGP BASF befindet sich aus geologisch-hydrogeologischer Sicht in einer exponierten Lage. Das bedeutet erschwerend, dass der Untergrund überwiegend aus Lockergestein besteht und daraus resultierend der Grundwasserleiter keinen natürlichen Schutz aufweist.

 

Durch die Grundwassersanierung im Hauptschadensbereich wird das kontaminierte Grundwasser effektiv abgereinigt. Seit 2002 wurden ca. 86t Schadstoffe aus dem Gundwasser entfernt. Für Maßnahmen zur Gefahrenabwehr (einschließlich Untersuchungs- und Sanierungsmaßnahmen) wurden im Zeitraum von 1995 bis 2020 finanzielle Mittel im Unfang von ca. 48 Mio. € aufgewandt.

Abbildung 4: Beispiel einer Konditionierungsanlage auf dem Werksgelände  (Quelle: BASF)

Im Zusammenhang mit der unmittelbaren Nähe zur Stadt Schwarzheide sowie des zu betriebenen Brunnenriegels gilt es daher, Gefahren für die außerhalb des BASF - Standortes gelegenen Wasserfassungen und oberirdischen Gewässer durch den Transport von Schadstoffen im Grundwasserpfad zu reduzieren und letztlich auszuschließen.

 

Die Grundwassersanierung im Hauptschadensbereich wird fortgeführt und kontinuierlich entsprechend aktueller Erkenntnisse modifiziert sowie erfolgt ein kontinuierliches Grundwassermonitoring zur Überprüfung und Anpassung des Strömungs- und Schadstofftransportmodells zur jährlichen gutachterlichen Gefahrenbewertung.

 

Festzustellen ist, dass die Wiederherstellung eines weitestgehend unbelasteten Grundwasserkörpers im Bereich des Werksgeländes und im Grundwasserabstrom kurz- und mittelfristig aus technischen Gründen nicht realisierbar ist.

 

So ist eine Fortsetzung der laufenden Grundwasser-Sicherungsmaßnahme im Bereich des Hauptschadensbereiches unerlässlich.

Im Ergebnis weitergehender Gefahrenbewertungen werden bei Bedarf zusätzliche Maßnahmen im Bereich des Transferpfades (Grundwasser und oberirdische Gewässer) kontinuierlich geprüft. Dies geschieht im Arbeitskreis ÖGP BASF unter Hinzuziehung gutachterlicher Expertise, sodass bei Bedarf im Rahmen weitergehender Gefahrenbewertungen weitere Maßnahmen unter dem Gesichtspunkt der Verhältnismäßigkeit festgelegt werden.